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KULTFAKTOR | Link
25
Nov
Vom Underdog zum Singstar: Paul Potts und die Telekom
posted by Imke Hans

Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie, liebe Leser, Paul Potts kennen, ist hoch. Kein schöner Mann, kein attraktiver Mann, keiner, der großartig auffallen würde. Ein bisschen grau, ein bisschen zu viel Gewicht, ein schlechtes Gebiss, schüchtern. Dies dachten sich auch die Juroren der Show “Britain’s got Talent“, das britische Equvalent zu DSDS, als der kleine Handyverkäufer etwas unbeholfen vor ihnen auf der Bühne stand. Im 2008er Spot der Telekom wird jetzt noch das “Publikum” vor dem Fernseher eingeblendet, das ob dieser Ankündigung zuerst nur amüsiert ist. Bis der unscheinbare Mann die ersten Noten anklingen lässt. Mit seiner unfassbaren Stimme trieb er seinen Zuhörern Tränen in die Augen.

Der Fernsehspot stieß auf Begeisterung, Paul Potts stieß auf Begeisterung. Einer, dem niemand etwas zugetraut hätte, siegte auf ganzer Linie, ein unscheinbarer Außenseiter. Aber sympatisch, das ist er. Die Telekom machte Potts auch in Deutschland bekannt, Potts sorgte dafür für ein neues Image der Telekom.
Für den Mauerfall hatte sich das Telekommunikationsunternehmen jetzt etwas Neues ausgedacht. Ein Flashmob musste her, denn diese sind bekanntlich angesagt. Als Aktion “Chor ohne Grenzen” sangen mehrere Tausend Menschen am Leipziger Hauptbahnhof die Ode an die Freude. Und während noch gesungen wurde, ertönte die Stimme Paul Potts, der anscheinend als Überraschungsgast eingeflogen worden war.

Zugegeben, auch hier gibt es ein Gänsehautfeeling. Die richtige Musik schafft so etwas im Handumdrehen.
Aber Potts Rolle ist jetzt eine andere. Er ist nicht mehr der unbekannte Underdog, der, bei dem sich der Mensch sagen kann: da schau her, wenn der Mann so strahlen kann – dann kann ich das vielleicht auch. Potts hat sich sein Gebiss sarnieren lassen. Potts wurde für diesen Auftritt bestellt, er ist ein gefeierter Star. Deswegen lässt er zwar seine Vorgeschichte nicht hinter sich, aber sie tritt langsam in den Hintergrund. Denn dies ist kein Mitschnitt, in dem er sich verschüchtert einer Casting-Show-Jury zum Fraß vorwirft und das erste Mal in seinem Leben so strahlen kann, wie er es verdient.
Dies ist eine klare PR-Aktion, im Grunde stiehlt hier Potts die Show. Die Teilnehmer des Flashmobs werden in den Hintergrund gerückt, Potts wird von vorne bis hinten inszeniert.
Fazit: Gänsehautfeeling: ja. Aber wie ein vorhersehbares Happy End einer weiteren Hollywood-Liebeskomödie. Nicht wie vorher.
Bleibt zu sehen, ob dem deutschen Publikum der Unterschied auffällt. Ob es überhaupt einen Unterschied macht.

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